Warum Anwender das iPhone lieben und die IT den BlackBerry schätzt

Ja, ich mag mein iPhone. Abends auf dem Sofa durchstöbere ich meine bevorzugten Internet-Angebote nach interessanten Neuigkeiten, prüfe das Fernsehprogramm auf relevante Angebote oder wähle eine entspannende Hintergrundmusik aus der iTunes-Mediathek auf unserem iMac-Fernseher. Ist dieses Angebot trotz Ablenkungsbedarf unbefriedigend, findet sich sicherlich noch eine ungesehene Folge „Top Gear“ auf YouTube. Ohne die Horizontale zu verlassen ist auch per Skype schnell geprüft, ob Ansprechpartner in anderen Zeitzonen erreichbar sind. Die müssen denken, ich schlafe nie. Morgens kopple ich das iPhone an die Bordelektronik des Autos und bereue nicht, auf den CD-Wechsler aus dem mannigfaltigen Optionsangebot verzichtet zu haben. Die Kontrolle über meine gesamte Musiksammlung ist nur wenige Tasten am Lenkrad entfernt. Am Wochenende suche ich mit dem iPhone spontane Ziele für Spaziergänge im Fünfseenland, die ebenso meine Kinder überzeugen, denn es gilt einen Schatz zu heben! Auch die Bedingungen in den nahen Skigebieten sind schnell eruiert und bei Gefallen kurzfristig angesteuert. „Spontane“ Einkaufsziele in der Stadt sind Dank Google Maps und diversen Einkaufsführern schnell ins Auge gefasst. Wenn es meiner Frau auch bei dieser Beschäftigung nicht unbedingt um Effizienz geht. Wird das Warten im Restaurant für die hungrigen Zwerge dann doch zu lang, bietet das iPhone für diese Situation das richtige Spielchen und verhindert ausufernde Malkreationen auf der blütenweißen Tischdecke. Erste Laufversuche der Brut auf eisigem Grund sind in dokumentarischer Qualität für die Großeltern im Vorbeilaufen festgehalten, und der massive Foto-Output der letzten Sommerfrische in Cornwall wird jederzeit stolz hervorgezogen. Bei unvorsichtig geäußertem Interesse daran, ist ein Entkommen nicht mehr möglich. Schon in meiner Kindheit waren heimische Diasschauen bei Erdnussflips und schummrigen Licht gefürchtet. Nun sind sie mobil!

Nein, zum Telefonieren nutze ich das iPhone eigentlich so gut wie nie. Warum? Wenn das iPhone längst im Funkloch verschwunden ist, hängt mein BlackBerry 9000 noch prima an den Funkmasten. Zudem ist der Akku der kanadischen Brombeere im Alltag kaum leer zu bekommen. GPS-Manöver mit dem iPhone saugen dagegen an der fest eingebauten Stromversorgung wie meine durstigen Kinder an der Limo. Gesprächspartner sind dank QWERTZ-Tastatur im Zweifelsfall auch mit einer Hand zwischen zwei Terminen aus dem Adressbuch herausgefischt und in der Eile muss ich mir keine Sorgen über Kratzspuren an einem Hochglanz-Body wie dem des iPhones machen. Auch der primäre Kanal der Geschäftskommunikation ist fest in der Hand des BlackBerries. Zwar kommen neue Mails auf beiden Geräten fast zeitgleich an (dank ActiveSync via Lotus Traveler sogar eher mit leichtem Vorteil iPhone), und das iPhone verbucht klare Vorteile bei der Darstellung von Mails und kleineren Dateianhängen, doch schon bei der Suche nach zurückliegenden Mails versagt das iPhone komplett. Bis heute habe ich nicht verstanden, welcher Zufallsalgorythmus die Ergebnisse der zentralen Suche bestimmen. Der BlackBerry ist dagegen sogar das Fenster zu den Informationsschätzen in meiner Firmen-Mailbox, die ich seit Jahren anhäufe. Die Remote-Volltextsuche machts möglich. Größere Dateianhänge im Posteingang vom BlackBerry muss ich nicht zwangsläufig mit meinem begrenzten Datenvolumen bei T-Mobile finanzieren, weil meist bereits die ersten über den BlackBerry Enterprise Server gerenderten und effizient an das Gerät übertragenen Seiten zeigen, dass es sich nicht um die lange erwartete Excel-Auswertung, sondern einen kompletten Daten-Dump handelt. Dank der Tastatur des BlackBerries dürfen auch unterwegs Antworten auf Mails großzügiger ausfallen oder eben Blog-Epen fern des Schreibtisches entworfen werden. So läßt sich auch das Wartezimmer des Zahnarztes zum Arbeitsraum erklären. Natürlich gibt es mit den beiden Storm-Modellen auch BlackBerries ohne Tastatur, die von dem hiergesagten ausgenommen sind. Ich würde sie sogar nicht wirklich als BlackBerries im eigentlichen Sinne geschweige denn als iPhone-Killer bezeichnen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nein, meine Kinder finden den BlackBerry nicht wirklich so cool wie das iPhone, andere bezeichnen ihn auch als boring, ich nutze ihn schlicht als Arbeitsgerät. In der Arbeitswelt zählen andere Maßstäbe als im Privatleben, wenn auch die Grenzen – zugegebenermaßen – zunehmend fließend sind.

Im Unternehmen geht es um die möglichst effiziente Bändigung der Masse durch wenige. Da das Thema Smartphone in den Zuständigkeitsbereich der IT fällt, sollten zur Smartphone-Entscheidung auch Kriterien der IT zur Sicherstellung eines reibungslosen Betriebs angewendet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass das Verhältnis zwischen den zu verantwortenden Aufgaben und den dazu zur Verfügung stehenden Mitarbeitern in der IT besonders unverhältnismäßig ist. Hier punktet die BlackBerry Solution und überzeugt die IT schnell (also den Kopf – nicht das Herz).

Folgende Eigenschaften der BlackBerry Solution haben sich – aus meiner persönlichen Erfahrung – in der Praxis im Unternehmenseinsatz bewährt:

Gerätepalette

Es gibt eine Modellpalette, um die erforderliche Investitionsgröße zu steuern oder schlicht eine gewisse Hierarchie im Unternehmen abzubilden. Von der Software-Seite sprich dem Betriebssystem und den daraus resultierenden Funktionen sind alle aktuellen Geräte von RIM gleich (abgesehen von OpenGL ES, das es bisher nur auf dem Storm II gibt). Lediglich die Hardware-Ausstattung wie GPS, UMTS und Co. machen den Unterschied. Fairerweise ist aber anzumerken, dass die Geräteauswahl für’s Unternehmen derzeit in der Praxis mit dem Bold 9700 (High-End, eingedampfter 9000er mit mehr PS und anderen Quartett-relevanten Werten) und dem Curve 8520 (Low-End) durchaus überschaubar ist. Was ist denn mit den anderen? Nun ja, der von mir geschätzte Bold 9000 zählt mittlerweile nach Handy-Jahren eher als Methusalem (seit Mitte 2008 auf dem Markt) und die bereits angesprochenen Storms (9500 und II 9520) haben eigentlich mit ihrem anfälligen und nicht wirklich überzeugenden SurePress-Touchscreen im Unternehmensumfeld nichts zu suchen. Alle Firmenbenutzer eines Pearl 8110 ohne vollwertige QWERTZ-Tastatur, die ich kenne, haben übrigens versucht, den Upgrade auf einen „vollwertigen“ BlackBerry zu verargumentieren. Natürlich ist die Modellpalette immer ein bewegliches Ziel – mit neuen Geräten ist bald wieder zu rechnen. Was aber definitiv noch fehlt, ist der unbeeindruckt robuste BlackBerry für den Hausmeister. Für ein unternehmenstaugliches Gerätedesign wichtig sind auch Standards für den Zubehöranschluß. Diese sind bei den aktuellen BlackBerry-Modellen „Europa-kompatibler“ Micro-USB (Datenkabel), microSD (Speicherkarte) und 3,5 mm Klinke für das Headset. Defekte Akkus erfordern nicht – wie beim iPhone – bereits einen Service-Einsatz, sondern können selbst (ooohhh!) ausgewechselt werden.

Einrichtung neuer Benutzer

Mussten Sie schon einmal ein Dutzend neuer Windows Mobile Geräte einrichten? Ich erinnere mich nur zu gut an die mühevolle und langwierige Stiftakrobatik (Die meisten dieser Geräte liegen mittlerweile wie Bleibarren in den Schränken). Ein neues BlackBerry findet so seinen neuen Benutzer im Unternehmen: Benutzer aus führendem Mail-System (Domino, Exchange oder Groupwise) über das Web-Verwaltungs-Interface des Blackberry Administration Service auswählen, Aktivierungskennwort vergeben, Benutzergruppe und vordefinierte WLAN-Konfiguration zuordnen. BB-spezifische Mail-Signatur für Benutzer vergeben (kann auch autom. über Drittprodukte wie z.B. reatarus Domino Disclamer ab der Version 3.1 erfolgen). Am Gerät ist bei einer OTA-Aktivierung („Over-the-air“ via Funknetz) primär noch die Internet-Mail-Adresse des Benutzers und das Aktivierungskennwort einzugeben. Sicherheitsrichtlinien, Basiseinstellungen der Standardanwendungen sowie zu installierende Dritt-Software sind über die Benutzergruppe(n) definiert und werden an das Gerät übertragen. Wer es besonders „schön“ machen will, legt abschließend noch Hand an die eine oder andere Einstellung, die nicht über den Standardweg zentral verwaltet werden kann. Dies ist aber nicht kriegsentscheidend. Neben der OTA-Aktivierung existieren alternativ noch weitere Möglichkeiten der Geräteaktivierung via USB-Kabel. Entscheidend ist aber: Der Benutzer benötigt auf seinem Desktop-PC keine Software-Installation wie iTunes für das iPhone. Viele Unternehmen deaktivieren ihrer Sicherheitsrichtlinie folgend den USB-Anschluß der PCs gänzlich.

Geräteverwaltung inklusive

Wer mit vielen kleinen Endgeräten und noch kleineren SIM-Karten zu tun hat kennt die Bürde deren Verwaltung. Welches Gerät und welche Handy-Nummer hat Herr Müller nun wirklich bekommen? Dies sind die eher einfachen Fragen für den BlackBerry Administration Service. Hat der BlackBerry einmalig nach Hause gefunkt, sprich ist er aktiviert, sind BB-Modell, IMEI-, PIN-, und Handy-Nummer leicht über das Web-basierte Verwaltungs-Interface (ab BES 5) herausgefischt. Aus dem letzten Kontaktzeitpunkt mit dem Server lassen sich auch leicht potentielle Mitarbeiter ermitteln, die zwar unbedingt für ihre Arbeit einen BlackBerry benötigen, ihn aber nicht wirklich nutzen.

Austausch defekter Geräte

Wenn ein Smartphone erst zum ständigen Begleiter aufgestiegen ist, kommt man nicht mehr ohne aus. Zumindest denkt man das. Was aber passiert, wenn das treue Gerätchen dann doch mal ein Defektchen hat?  Beim iPhone bedeutet das: T-Mobile läßt das Gerät abholen (immerhin!) und sendet es zur Prüfung auf Garantie oder kostenpflichtige Reparatur an Apple. Das Gerät wird repariert und geht wieder zurück an den Kunden. Dieser Vorgang dauert zwischen 10 und 14 Tagen. Glücklich ist, wer noch einen alten Handy-Knochen zur Hand hat, denn ein Ersatzgerät ist Fehlanzeige. Das geht auch professioneller: Der Defekt am BlackBerry wird gemeldet und am nächsten, spätestens übernächsten Arbeitstag steht ein Austauschgerät mit Kurier im Haus. Der Arbeitszustand ist schnell wiederhergestellt. Neues Gerät für bestehenden Benutzer aktivieren und schon fliessen alle automatisch auf dem BlackBerry Enterprise Server gesicherten Einstellungen auf das Neue und machen es ganz wieder zum „Alten“. Wie auch bei der Ersteinrichtung kann dieser Vorgang gänzlich losgelöst von Kabeln OTA erfolgen.

Sicherheit

Höre ich BlackBerry, denke ich an Sicherheit – so geht es sicherlich vielen. An dem Ruf hat RIM – wenn auch mit Rückschlägen – lange Zeit gefeilt. Wie beim Thema ISO 9000 (der Weg ist das Ziel!) ist vorallem in der Entscheidungsphase für den Unternehmenseinsatz die zertifizierte oder auch „gefühlte“ Sicherheit von großer Bedeutung. Hier kann RIM mit einer beeindruckenden Zertifizierung nach EAL4+ wie auch Urkunden des Fraunhofer Institut Sichere Informationstechnologie aufwarten. Letztere leider nur für BES 4.1.6 für Microsoft Exchange und nur  unter dieser und jenen weiteren Bedingung, aber wir wollen hier nicht kleinlich sein, denn schließlich geht es in diesem (wichtigen!) Punkt um theoretisch überzeugende Argumente für das Management. Gerade Unternehmensanwender verbinden in der Praxis dagegen mit der Blackberry Sicherheit primär Einschränkungen der persönlichen Nutzungsfreiheit. Ein zentraler IT-Verwaltungs-Klick und schon läßt sich die Kamera oder die MicroSD-Speicherkarte nicht mehr nutzen. Von der Software-Auswahl der „Blackberry App World“ (nicht wirklich zu vergleichen mit Apples App Store) haben Firmen-BBs meist noch nichts gesehen: Die Installation unautorisierter Software (aus Sicht der IT natürlich 😉 ) wird meist als erstes unterbunden. Selbst die lokale Speicherung von Mail-Anhängen kann vom Arsenal der richtlinienbestimmten Einstellungen wirksam verhindert werden. Diese Sicherheitsvorgabe ist dann wieder die Glanzstunde des Server-basierten Dokumenten-Renderings zur Anzeige. Je nach Betriebsrahmen des Unternehmens (z.B. im medizinischen Bereich mit seinen besonderen gesetzlichen Vorgaben) ist das auch Voraussetzung, um – zumindest offiziell – überhaupt Smartphones einsetzen zu dürfen. Wichtiger Aspekt in der Sicherheitsarchitektur der BlackBerry Solution ist die Geräteverbindung ins Unternehmen. Endgeräte innerhalb der BlackBerry Solution bauen eine AES-verschlüsselte Punkt-zu-Punkt-Verbindung zum BlackBerry Enterprise Server hinter der Unternehmens-Firewall auf. Sämtliche Kommunikation läßt sich zwingend und dabei für den Anwender transparent auf diesen abgesicherten Weg bringen. Auch Zugriffe auf Internet-Ressourcen laufen zunächst über den BlackBerry Enterprise Server und erst von dort in die freie Internet-Wildbahn. Damit gelingt nicht nur eine zentrale Kontrollmöglichkeit sämtlicher von den mobilen Endgeräten ausgehender Datenkommunikation, sondern auch deren sichere Einbindung in das Firmennetzwerk. Der mobilen, aber sicheren Zugriff von Intranet-Angeboten steht allenfalls der derzeit stark limitierte Web-Browser auf den BlackBerry-Geräten im Wege. RIM arbeitet aber bereits an einem neuen Browser, der die Basis „Webkit“ mit dem iPhone teilt – was immer dies für das Endprodukt wirklich zu bedeuten hat.

Ok, BlackBerries sind nicht cool, vielleicht sogar langweilig, aber im Moment adressieren sie aus meiner Sicht als einzige Lösung am Markt wirklich den „Massenversorgungsbedarf“ an kontrollierter, mobiler Kommunikation im Unternehmen.

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